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Dirk Fuhrmann

2 Min. Lesezeit

Guerilla Recruiting: Warum Reichweite noch keine Einstellung ist

Guerilla Recruiting verspricht viel Aufmerksamkeit für wenig Geld. Ob daraus eine Besetzung wird, entscheidet der Prozess hinter der Aktion.

Recruiting Consulting & Coaching
Beitragsbild: Guerilla Recruiting
Inhalt
  1. Was Guerilla Recruiting ist
  2. Die Zahlen als Trichter gelesen
  3. Die Aktion ist nur der erste Kontakt
  4. Wann eine Aktion Sinn ergibt
  5. Zusammenfassung
  6. Reflexionsfragen

Ein Beispiel, das oft genannt wird: Ein Gartenbaubetrieb aus Willich am Niederrhein veröffentlichte Ende 2022 ein Bewerbungsvideo im Stil der YouTube-Serie „7 vs. Wild". Laut Presseberichten vom Februar 2023 kam das Video auf über 300.000 Aufrufe, rund 60 Menschen hatten sich beworben, und der erste Bewerber hatte seinen Vertrag gerade unterschrieben.

Was Guerilla Recruiting ist

Der Begriff steht für unkonventionelle Aktionen mit kleinem Budget, die durch Überraschung auffallen, statt über eine Stellenbörse zu laufen. Verwandt sind Ambient Recruiting, also Botschaften im Alltag der Zielgruppe, etwa auf einem Bierdeckel, und Viral Recruiting, bei dem sich Inhalte über Social Media von selbst verbreiten.

Die bekannten Beispiele stammen meist von Konzernen mit Agentur und entsprechendem Budget. Für ein mittelständisches Unternehmen sind sie als Vorlage wenig brauchbar. Interessanter ist, was eine Aktion in der eigenen Größenordnung leistet und was nicht.

Die Zahlen als Trichter gelesen

Im Vertrieb liest man solche Zahlen als Trichter: Reichweite, Anfragen, Abschlüsse. 300.000 Aufrufe und 60 Bewerbungen heißen, dass auf rund 5.000 Aufrufe eine Bewerbung kam. Das ist für eine Aktion ohne Anzeigenbudget beachtlich.

Was danach kam, verraten die Berichte nicht. Wie viele der 60 passten fachlich? Wie viele wurden eingeladen? Wie viele sagten ab, und warum? Genau diese Lücke ist typisch. Bei den meisten Aktionen wird die Reichweite gefeiert, die Umwandlung in Einstellungen wird nicht gemessen.

Die Aktion ist nur der erste Kontakt

Ein Video, eine Anzeige oder ein Aufkleber sind der Einstieg in die Candidate Journey. Danach entscheidet der Prozess: wie schnell jemand eine Antwort bekommt, wie einfach die Bewerbung ist, wie klar der nächste Schritt beschrieben wird.

Wer mit einer lauten Aktion viele Menschen in einen langsamen Prozess schickt, verliert sie an denselben Stellen, an denen er auch ohne Aktion verliert. Nur in größerer Zahl.

Wann eine Aktion Sinn ergibt

Wenn der Prozess dahinter funktioniert. Kurze Bewerbung, feste Rückmeldezeit, ein klarer nächster Schritt. Sonst verpufft die Aufmerksamkeit.

Wenn die Aktion zur Zielgruppe passt. Der Humor der Geschäftsführung ist dafür kein Maßstab. Ein Gag, der die Zielgruppe verfehlt oder Menschen ausgrenzt, schadet der Arbeitgebermarke mehr, als er an Reichweite bringt.

Wenn vorher feststeht, was gemessen wird: Bewerbungen, Gespräche und Zusagen. Aufrufe und Likes zählen dabei nicht. Erst dann lässt sich sagen, ob die Aktion ihr Geld wert war.

Zusammenfassung

Guerilla Recruiting kann viel Aufmerksamkeit für wenig Geld erzeugen. Ob daraus Einstellungen werden, entscheidet der Prozess dahinter. Wer eine Aktion plant, sollte zuerst den eigenen Bewerbungsweg prüfen und festlegen, welche Zahlen er nach der Aktion auswertet.

Reflexionsfragen

  1. Kennen Sie für Ihre letzte Recruiting-Aktion nicht nur die Reichweite, sondern auch die Zahl der Gespräche und Einstellungen?
  2. Wie lange dauert es bei Ihnen von der Bewerbung bis zur ersten Rückmeldung?
  3. Würde Ihr Prozess 60 Bewerbungen in einer Woche verkraften?

Ihr Bewerbungsprozess sagt mehr über Ihren Betrieb aus als die beste Stellenanzeige.

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