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Warum die Entspannung beim Fachkräftemangel eine Falle ist

22,7 Prozent der Betriebe melden aktuell fehlende Fachkräfte, der niedrigste Wert seit fünf Jahren (Quelle: ifo-Institut). Für viele Personalverantwortliche klingt das nach einer Verschnaufpause. Ist es nicht.

Die Entspannung ist konjunkturell. Die Ursache bleibt strukturell. Wer beides verwechselt, trifft in zwei bis drei Jahren die falsche Personalentscheidung.

Was hinter der sinkenden Vakanzquote steckt

Weniger Betriebe suchen aktuell Personal, weil die Wirtschaft schwächelt. Der Anteil der Unternehmen ohne aktuellen Personalbedarf stieg laut DIHK-Fachkräftereport von 44 auf 48 Prozent. Der Grund ist die Auftragslage: Weniger Betriebe haben gerade Budget für Neueinstellungen. Das Fachkräfteangebot selbst hat sich dadurch nicht vergrößert.

Die demografische Entwicklung läuft parallel weiter. Bis 2036 gehen 16,5 Millionen Babyboomer in Rente, nach kommen 12,5 Millionen (Quelle: DIHK-Fachkräftereport). Diese Rechnung ändert sich nicht, egal wie die Konjunktur gerade steht.

Ein Betrieb mit Liquiditätsproblemen wirkt von außen auch entspannt, solange niemand in die Bilanz schaut. Die Rechnungen laufen trotzdem weiter. Beim Arbeitsmarkt ist es dasselbe: Die Oberfläche beruhigt sich, das Fundament bleibt unverändert.

„Aktuell suchen wir nicht aktiv" ist der teure Satz

Das höre ich in Gesprächen mit Personalverantwortlichen immer wieder. Er stammt aus einer Momentaufnahme, nicht aus einer Strategie. Employer Branding, ein Recruiting-Prozess, der nicht bei jeder Vakanz neu erfunden werden muss, eine Pipeline aus passiven Kandidaten, das baut sich nicht in drei Wochen auf, wenn der Bedarf plötzlich wieder da ist.

Ein Betrieb mit zwölf Mitarbeitenden merkt zum Beispiel, dass drei erfahrene Fachkräfte in den nächsten vier Jahren in Rente gehen. Aktuell läuft das Tagesgeschäft ruhig, Aufträge kommen über Bestandskunden. Wird jetzt nicht mit der Suche begonnen, stehen in vier Jahren drei offene Stellen gleichzeitig an, in einem Markt, in dem jeder Wettbewerber ebenfalls sucht.

Wer jetzt investiert, verhandelt später aus der besseren Position

Betriebe, die genau jetzt in ihre Arbeitgebermarke investieren, während der Wettbewerb pausiert, verschaffen sich einen Vorsprung, der sich erst in ein bis zwei Jahren auszahlt. Wer wartet, bis der Fachkräftemangel wieder in den Schlagzeilen steht, startet zeitgleich mit allen anderen.

Dazu kommt ein Kosteneffekt, der oft unterschätzt wird. Recruiting in einer angespannten Marktphase kostet mehr Zeit, mehr Budget und häufiger höhere Gehaltszugeständnisse, weil Kandidaten dann mehrere Angebote gleichzeitig verhandeln können. Wer in der ruhigen Phase bereits Kontakte aufgebaut hat, verhandelt aus einer besseren Position, statt im Ernstfall teuer nachzukaufen.

Zusammenfassung

Die sinkende Vakanzquote ist eine konjunkturelle Momentaufnahme, keine Trendumkehr. Die demografische Lücke wächst unabhängig davon weiter: 16,5 Millionen Renteneintritte bis 2036, 12,5 Millionen kommen nach. Wer jetzt sein Recruiting zurückfährt, trifft in zwei bis drei Jahren auf aufgestauten Bedarf und dieselbe Lücke gleichzeitig, dann im angezogenen Markt.

Reflexionsfragen

  1. Welche Positionen in Deinem Betrieb werden in den nächsten zwei bis drei Jahren durch Renteneintritte frei, unabhängig von der aktuellen Auftragslage?
  2. Baut sich Deine Recruiting-Pipeline auch dann weiter auf, wenn gerade keine Stelle akut offen ist?
  3. Was würde es Dich kosten, in zwei Jahren gleichzeitig mit dem gesamten Wettbewerb zu suchen?

Die Betriebe, die 2027 oder 2028 überrascht werden, haben die Zahlen meist gekannt. Sie haben nur zu lange gewartet, bevor sie gehandelt haben. Willst Du prüfen, wie Dein Betrieb für den nächsten Aufschwung aufgestellt ist?

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